Allgemein · Romane

Der Eissalon – Anna Jonas

„Zwei Kugeln Erdbeere mit Glück, bitte!“

„Karina von Oedinghof muss ihr Leben neu sortieren. Nach einer Affäre verliert sie ihre Ausbildungsstelle und versucht nun, allein über die Runden zu kommen – was der verwöhnten Tochter aus gutem Haus sehr schwerfällt. Bei einer Kriegswitwe mietet sie ein Zimmer und gerät prompt mit dem zweiten Untermieter aneinander, dem gut aussehenden Italiener Ricardo. Karina verliebt sich in ihn, doch er will von ihr nichts wissen. Nur eines eint sie: ihr Traum vom Eissalon! Sie wollen die leckersten Eiskreationen der Stadt erschaffen! Ricardo hat das Wissen um die Kunst des Eismachens, Karina das Gespür für die Sehnsüchte der Menschen. Alles läuft gut, bis Ricardos Vergangenheit ihn einholt. Und Karinas Vater vor der Tür steht.“

Kleines Fazit:

Nachdem Karina in einer prekären Situation mit ihrem Lehrer erwischt wurde, entlässt man sie sofort aus der Restaurantfachschule. Für den Stempel „liederlich“ schämt sie sich so sehr, dass sie nicht nach Hause gehen kann und stattdessen versucht ihr Leben selbstständig zu meistern – in einer Zeit, in der Frauen noch unter den Vorschriften des Vaters oder Ehemannes zu leben haben. Karina möchte ihren Eltern erst dann die Wahrheit sagen, wenn sie ihnen etwas vorweisen kann: mit ihrem neuen Mitbewohner, dem Italiener Ricardo, der das gewisse Etwas in ihr weckt, versucht sie ein Eiscafé aufzubauen, welches auch im Winter geöffnet bleiben kann.

Autorin Anna Jonas erzählt die Geschichte des Eissalons aus drei Perspektiven: der jungen, verwöhnten, anfangs unbedarften doch ein wenig rebellischen Karina, dem vom Krieg geschädigten Ricardo und der älteren Hausherrin und Lehrerin Erika. Neben dem Eissalon, legt die Autorin ihr Augenmerk auf die spätere Nachkriegszeit, den 50er Jahren – einer Zeit, in der sich das Leben normalisiert, es wieder genügend Essen gibt aber viele noch mit den vor allem persönlichen Auswirkungen des Krieges zu kämpfen haben. Ricardo musste an der italienischen Front gegen die Deutschen kämpfen und hat noch heute schlimmste Alpträume; er versucht sich in Deutschland als Eisverkäufer ein neues Leben aufzubauen. Erika verlor ihren Mann im Krieg und ihre zwei gemeinsamen Kinder an der nicht beherrschbaren Lungenentzündung. Da ihr der persönliche Sinn des Lebens fehlt, vermietet sie ihre Wohnung unter um wenigsten Anderen zu helfen. Nur Karina erlebte die Zeit als junges Mädchen, behütet und beschützt vom Wohlstand ihrer Familie und kennt die Auswirkungen nur durch ihre älteren Cousins. Als der Familienbruch mit ihrem Vater bevorsteht, beginnt Karina über sich hinauszuwachsen. Die 3er-WG verspricht vielfaltige Geschichten, Einzelschicksale und individuelle Hoffnungsschimmer mit und gegen die bestehenden, strengen gesellschaftlichen Strukturen der 50er Jahre.

Der Eissalon ist im angenehmen, flüssigen Schreibstil geschrieben; unterhaltend, packend und ein wenig mit Klischees behaftet. Die Protagonisten sind in ihren Charakteren super ausgearbeitet und greifbar; zeigen ihre Schicksale von ihrer Seite ohne die Geschichte zu sehr zu beeinflussen. Der Leser steckt mitten drin im Geschehen, ohne diese überhand nehmen zu lassen. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Anna Jonas wurde im Münsterland geboren, hat einen Teil ihrer Kindheit im hohen Norden verbracht und lebt seit ihren Studententagen in Bonn. Nach ihrem Germanistikstudium widmete sie sich dem Schreiben. Die DELIA-Preisträgerin reist gerne und liebt das Stöbern in Bibliotheken, wo sie für ihre Romane intensive Recherchen betreibt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Rheinnähe.“

Weitere Bücher der Autorin:

  1. Das Rosenpalais [Die Chocolatier-Familie 1] (2019)
  2. Der Schokoladenpavillon [Die Chocolatier-Familie 2] (2020)
  3. Der Eissalon (2021)

RoRezepte sind:

PIPER Verlag

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