Wie sagt man ich liebe dich – Claudia Winter

„Eine Villa auf den Hügeln vor Lissabon. Zwei ungewöhnliche Frauenschicksale. Und die eine große Liebe die alles verbindet.“

„Maelys ist anders als andere junge Frauen. Denn sie ist gehörlos. Dafür ist sie schön, charmant und liebt es zu lachen. Und sie ist eine hochbegabte Malerin. Genau deshalb verschlägt es sie eines Tages mit einem unerwarteten Auftrag in ein traumhaftes Herrenhaus in der Nähe von Lissabon. Während sie dem Zauber ihrer Umgebung immer mehr erliegt, stößt sie auf eine vergangene Liebesgeschichte, die sie zutiefst berührt – und ihrem Herzen den Weg in ein völlig neues Leben weisen wird …“

Kleines Fazit:

„»Zeichne nicht, was du siehst. Mach sichtbar, was verborgen ist!«“

Die gehörlose Maelys hat ein heiß begehrtes Stipendium an der ENSBA in Paris erhalten und kann nun bei ihrer Tante Valerie leben. Seitdem Valérie sich aber ihren Arm gebrochen hat, lässt Maelys ihr Studium nur all zu gerne liegen um in Hadirs Garküche Teller zu spülen. Obwohl sie durch ihren strengen Dozenten an ihrem Talent zweifelt, verdient sie sich auf der Montmartre mit Portraitzeichnungen Geld dazu. Sie liebt es spontan zu zeichnen und trägt immer einen Block und Zeichenstift dabei. Das Maelys ihr Leben trotz Gehörlosigkeit meistert, ist bewundernswert.

„»Die Angst ist noch nie ein guter Ratgeber gewesen«, […]“

Eines Tages steht António vor Maelys und macht ihr ein absolut verlockendes Angebot: Eine Reise nach Lissabon um Antónios geliebten Großvater Vovô zu zeichnen. Die junge Malerin ist sofort Feuer und Flamme und reist nur kurze Zeit später mit ihrer Tante nach Portugal. Nur leider wird sie hier nicht so willkommen geheißen, wie sie es sich gewünscht hatte.

„Wie soll man denn wissen, ob man jemanden vertrauen kann, wenn man es gar nicht erst versucht?“

Claudia Winter möchte aber nicht nur die Geschichte von Maelys und António erzählen, sondern auch in das Paris der 1966er Jahre eintauchen und uns Leserinnen endlich die Geschichte um Tante Valérie erzählen.

Nachdem ich die ersten Kapitel aus der Vergangenheit von Tante Valérie gelesen habe, war ich sofort in den Vergangenheitsstrang verliebt – eine rührende, bewegende Geschichte die mich als Leserin einfach nur gefesselt hat. Valérie Aubert, aus Moguériec (Bretagne), war schon immer für eine größere Geschichte berufen. Eines Tages zieht sie nach einem Streit mit ihrem Vater los in die Hauptstadt Frankreichs – von jetzt auf gleich, in ihrem gelben Mantel und dem Puppenkoffer ihrer kleinen Schwester Yvonne. Valérie will nicht heiraten und endlich das Leben führen, wovon sie die letzten Jahre nur geschwärmt hat.

„Es gibt für uns Frauen keinen Grund, nicht das zu sein, was wir gerne sein wollen. Auch für dich nicht.“

„»[…] Die fette Katze kann nichts dafür, dass sie nicht durchs Mauseloch passt. Aber sie besitzt etwas, das die Maus nicht hat: eine Menge Zeit.«“

Die Autorin ist in ihrem neuen Roman über sich hinausgewachsen und schaffte es dabei ihre schriftstellerische Sprache weiter zu entwickeln. Sie hält ihr Schreibniveau und kann zusätzlich, und deswegen habe ich mich an dem neuen Buch so erfreut, die „alte Winti“ mit ihrem persönlichen Witz und Humor wieder integrieren. Abgesehen davon, dass der Leser einen Einblick in das Leben eines gehörlosen Menschen erhält, enthält der Roman so viel Authentizität, dass man sagen kann: „Die Autorin weiß wovon sie schreibt.“.

„Atmen. Du musst einfach nur atmen und darauf bauen, dass die Welt sich weiterdreht. Morgen vielleicht oder übermorgen. Irgendwann.“

Ich kann das Lesen von Wie sagt man ich liebe dich zu 100% empfehlen, und das nicht nur, weil ich die Autorin persönlich kenne und ein Winti-Girl bin. Die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart, Witz und Spannung, Wissen und bildlichen Beschreibungen, Frauenunterhaltung und Liebesgeschichte, mit einer versteckten Tragödie – ein bewegender Roman und daher ein Must Read!

Persönliches Lieblingszitat für genauso starke Frauen, wie unsere Protagonistinnen:

„Es ist immer das Nein, das wir eines Tages bereuen.“

Wer sich auf das Buch richtig einstimmen möchte, oder nach diesem Roman wissen möchte, wie Maelys nach Paris gekommen ist, liest Die Wolkenfischerin

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Neben ihren bisher im Goldmann Verlag erschienenen Büchern hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlich. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann und dem Labrador Luka in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn.“

RoRezepte sind:

Goldmann Verlag

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